Geldanlage für Jedermann
Lernen Sie die Börse verstehen – mit unserer neuen Serie „Geldanlage für jedermann!“. Wir stellen Ihnen vor, wie die Börse funktioniert und welche Anlagemöglichkeiten es gibt. Wöchentlich erhalten Sie ab sofort Informationen und Tipps rund um Ihre Geldanlage.
Börsengeschichte - von den Anfängen bis zur Gegenwart
Kaum vorstellbar, aber wahr: Den Börsenhandel gibt es schon über 600 Jahre. Die Entstehung der Börse und ihre Entwicklung hier im Überblick.
2009 feiert die Börse ihren 600. Geburtstag. Denn 1409 wurde die erste Börse in Brügge gegründet. Zwar war damals von einem internationalen Parkett noch keine Spur zu sehen – lediglich italienische Kaufleute trafen sich in der belgischen Hansestadt zum Handeln. Doch der Startschuss war gefallen. Die erste Börse, die unserem heutigen Börsenverständnis am ehesten entspricht, entstand 1531 in Antwerpen. Sie war Treffpunkt für Händler vieler Nationalitäten, die vor allem Gewürze handelten. In Deutschland folgten 1540 Augsburg und Nürnberg sowie Frankfurt im Jahr 1585. Das erste offizielle Börsengebäude der Welt wurde 1613 in Amsterdam eröffnet.
Zum ersten Mal fiel im 16. Jahrhundert der Begriff Börse. Woher er konkret stammt ist ungewiss. Es gibt allerdings drei Theorien, die sich etabliert haben:
- Der Begriff stammt vom Kaufmannsfamiliennamen „van der Beurs“ ab. Vor deren Familienhaus in Brügge sollen angeblich die ersten Zusammenkünfte zum Handel von Waren stattgefunden haben.
- Börse ist eine abgewandelte Form von Bursa, dem uns heute noch als Geldbörse bekannten Aufbewahrungsort für Wertsachen.
- Börse stammt ursprünglich vom niederländischen Wort Beurs ab. Beurs bezeichnet ein Gebäude, in dem sich Kaufleute von Waren jeglicher Art trafen.
So ungewiss die wahre Herkunft des Begriffs ist, so sicher ist jedoch der Name der ersten Aktiengesellschaft: Vereinigte Ostindische Kompanie (V.O.C.). Im Jahr 1602 schlossen sich mehrere niederländische Gesellschaften zur V.O.C. zusammen, um der portugiesischen Schifffahrtsdominanz entgegen zu wirken. So entstand mit der V.O.C. die erste globale Gesellschaft, die ihre Anteile öffentlich anbot und an der Börse handelte. Schon damals gab es Dividenden – jedoch nicht in Form von Geld, sondern zumeist in Naturalien, wie Salz, Pfeffer oder Wolle. Knapp 200 Jahre war die Aktie der Gesellschaft im Umlauf. Das Ende kam 1799 mit der Auflösung der V.O.C., die konsequenterweise die Einstellung des V.O.C.-Aktienhandels zur Folge hatte. Übrigens: Die erste deutsche Aktiengesellschaft entstand 80 Jahre nach der V.O.C.-Gründung. Kurfürst Friedrich Wilhelm rief am 17. März 1682 die „Handels-Compagnie auf denen Küsten von Guinea“ ins Leben.
Von Tulpen, Handys und Internet
In der langjährigen Börsengeschichte ist viel passiert. Tops und Flops gaben sich dabei regelmäßig die Klinke in die Hand. Schon vor der T-Aktie und Lehman Brothers-Zertifikate sind Spekulanten auf die Nase gefallen. Eines der ältesten Beispiele ist die Tulpeneuphorie in Holland. Über den Seeweg nach Amsterdam importiert, erfreuten sich diese Blumen so großer Beliebtheit, dass die Preise an den Börsen aufgrund des begrenzten Angebotes in die Höhe schossen. Von 1634 bis 1637 hat sich der Wert einer Tulpenzwiebel auf aberwitzige 10.000 Gulden (ca. 35.000 €) gesteigert. Dann platzte die Spekulationsblase – und der Traum vom schnell verdienten Geld war für viele holländische Anleger ausgeträumt.
Noch weitreichendere Auswirkungen hatte die Aktienhausse in den USA von 1921 bis 1929, die schlussendlich eine zweijährige Weltwirtschaftskrise verursachte. Was war geschehen? Wie so oft ging der Rezession ein Boom voraus. Seit Anfang der 20er Jahre ging es den Menschen und der Wirtschaft in Europa und Amerika Jahr für Jahr besser. Dementsprechend „sorglos“ gingen die Anleger auch mit ihrem Geld um. Sie investierten wo sie nur konnten. Aktien konnten auf Kredit gekauft werden, denn alte Aktien galten als Sicherheit für neue Kredite. Doch am Schwarze Freitag kam die Wende. Am 25. Oktober 1929 gab es an der Wall Street kaum Kaufaufträge, dafür war die Stückzahl der zum Verkauf stehenden Aktien immens. Die Kurse fielen dramatisch, am darauf folgenden Montag kam es zu panischen Schlussverkäufen: Der erste Börsencrash war perfekt.
Um die Jahrtausendwende sah es für gewinnorientierte Anleger anfangs noch gut aus. Internet, Computer und Handy waren auf dem Vormarsch. Börsianer und Anleger versprachen sich eine hohe Rendite. Die Erwartungen waren so groß, dass die Deutsche Börse 1997 den Neuen Markt gründete, der junge erfolgsversprechende Unternehmen zusammenfassen sollte. Zu den ersten Unternehmen gehörten der Ingenieurdienstleister Bertrandt und der Mobilfunkanbieter MobilCom. Sinnbild für die damalige Zeit ist die Entwicklung der Telekom-Aktie, die nicht zuletzt dank Manfred Krugs Werbeauftritten zur Volksaktie mutierte. Jeder interessierte sich mit einem Male für den Aktienhandel, auch diejenigen, die zuvor noch nie mit Aktien gehandelt haben. Die Euphorie der Massen wurde gleichzeitig durch eine positive Berichterstattung der Medien gefördert. Doch das Blatt wendete sich. Eine im März 2000 veröffentliche amerikanische Studie der Finanzzeitschrift „Barron’s“ leitete den Beginn des Abschwungs ein. Die Herausgeber warnten davor, dass bei vielen Internet-Unternehmen die Lücken zwischen dem Börsenwert und der betriebswirtschaftlichen Unternehmensbewertung dramatisch groß sei. Die Folge: Panikverkäufe. Dem Boom folgte ein Abschwung.
Im September 2000 war mit Gigabell die erste Firmenpleite am Neuen Markt Realität. Im Oktober sorgten einige Wirtschaftsmagazine mit Insidergeschäften und daraus resultierenden Kursmanipulationen für weitere Negativschlagzeilen. Die Negativserie riss nicht ab. Zwar konnte sich die deutsche Börse von den Folgen des Terroranschlags vom 11. September 2001 überraschend gut erholen, dafür sorgten andere Ereignisse für Kursabstürze: Bilanzfälschungen bei Enron (USA) und ComROAD (Deutschland), Insolvenzverfahren bei Holzmann, Mediengruppe Kirch, Herlitz und CargoLifter, das Jahrhunderthochwasser in Sachsen und Bayern, der drohende Irakkrieg und die Befürchtung eines erneuten Terroraktes zum Jahrestag des 11. Septembers im Jahr 2002 taten ihr übrigens.
Und heute? Heute befinden wir uns nach einer gut fünfjährigen Erholungsphase wieder mitten im Abschwung. Eine zweite Weltwirtschaftskrise droht. Trotzdem können wir uns Hoffnung machen. Denn die Geschichte hat gezeigt: Die Wirtschaft hat sich immer wieder von Rezessionen erholt.
Stand: Dezember 2008, alle Angaben ohne Gewähr!
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